"Wollt Ihr die totale Überwachung" - Neues von den Horchposten

Welttag der Philosophie 2013 - Eine Diskussionsveranstaltung mit drei Impulsvorträgen

Maß und Mitte sind offensichtlich verloren gegangen. Zwischen Quelle: WIKIPEDIA - graf. Bearbeitung: WunSCHmiede | Beschreibung für Sehgeschädigte: Das Bild zeigt 5 Kuppeln einer Abhöranlage. Sie stehen eng beiainander. Dazwischen befinden sich Gebäude, Antennen und Zäune. Das Areal liegt zwischen Wald und Wiese. Über das Bild sind Begriffe gelegt, die mit dem Abhörskandal zu tun haben, z.B. NSA, BND, Freiheit, Sicherheit usw."Supergrundrechten" (Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich) und "dem Ende der Privatsphäre" (Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit Peter Schaar) changiert die   erhitzte Debatte. Der Weg in die Überwachungsgesellschaft ist im Sinne George Orwells dystopischen Romans 1984 nicht länger Fiktion. "Big Brother is watching you!" ist endgültig zu einer gesellschaftlichen Realität geworden – und dies nicht nur bei Staaten. 

Die Supermärkte Lidl und Rewe haben vorgemacht, dass man eigene Mitarbeiter ohne Verdachtsmomente systematisch bespitzeln kann. Die Bahn AG hat bewiesen, dass dies ebenso mit Top-Führungskräften geht, und Telekomgate, die Überwachungsaffäre der Deutschen Telekom, hat gezeigt, dass man auch vor Aufsichtsräten, Vorstandsmitgliedern, Angehörigen und Mitarbeitern von Betriebsräten als auch vor Gewerkschaftsfunktionären und Journalisten nicht Halt machen muss. Was verändert sich in der Gesellschaft, wenn die Unschuldsvermutung dem Generalverdacht weicht? Bestimmt heute tatsächlich gegenseitiges Misstrauen unser Verhältnis zueinander? Was bedeutet dies für die Liberalität angeblich "liberaler Gesellschaften"? Welche Auswirkung hat der NSA-Skandal für unser Verständnis von Freiheit und Sicherheit? Muss ein starker Staat von heute alles über seine Bürger wissen? 

Thomas Hobbes hat mit dem Bild des Leviathans das Konzept eines starken Staates als Garant individueller Sicherheit entwickelt. Hobbes’ Menschenbild war vom englischen Bürgerkrieg 1642-1649 geprägt. Er ging von einem negativen Weltbild im Naturzustand aus, indem Gewalt, Anarchie und Gesetzlosigkeit vorherrschend waren und nur durch eine zentrale staatliche Gewalt gebändigt werden konnten. Diese mit dem Bild des Leviathans skizzierte übergeordnete, allmächtige Instanz dient der Notwendigkeit der Durchsetzung eines Gesellschaftsvertrages, der die Einhaltung allgemeiner Gesetze erzwingt und ihre Verletzung bestraft. Widerstand ist seitens der Gewaltunterworfenen nur noch eingeschränkt in Bezug auf die Selbsterhaltung akzeptabel, denn aus dem ersten Recht der Natur entsteht die Verpflichtung die eigene Freiheit zugunsten der kollektiven Sicherheit einzuschränken. Die neuerdings virulent gewordenen Vorstellungen, bei denen der Freund auch der beste Feind ist, führen zu gegenläufigen Fragen: Wird der Mensch dem Menschen nun wieder zum Wolf wie im Naturzustand bei Hobbes? Ist Freiheit tatsächlich nur in Sicherheit möglich? Naht das Ende der Privatsphäre oder ist diese einfach nur überflüssig geworden? Muss man Angela Merkel als "potenzielle Top-Terroristin" überwachen? Bedarf es dem Ansetzen von Richtmikrofonen auf die Vereinten Nationen? Oder sind die Späher paranoid? Ist letztlich die  totale Überwachung nur die neue totale Illusion von Sicherheit? 

Auch Sie können der NSA (National Security Agency) und dem CIA (Central Intelligence  Agency) sowie ihren britischen counterparts durch Diskussionsbeiträge helfen, das maßlose Maß der Überwachung zu überwinden und Maß und Mitte beim großen Datensaugen zu finden. Wir hoffen sehr, dass diese Veranstaltung weithin abgehört wird. Nach einleitenden Worten von Ulrich Arnswald halten Laura Carolin Freitag, Michael Weingarten und Hans-Peter Schütt kurze pointierte Impulsvorträge, bevor eine intensive Diskussion im Plenum stattfinden soll. Die Diskussion wird von Ulrich Arnswald moderiert.

Die Veranstaltung des Arbeitskreises Politische Philosophie (polphil) des Instituts für Philosophie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist ein Beitrag zum UNESCO-Welttag der Philosophie 2013.

Datum und Ort: 

Dienstag, 19. November 2013, 19 Uhr, im Foyer des Instituts für Philosophie, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Campus Süd, Kollegium am Schloss, Geb. 20.12.

Der Eintritt ist frei.