Philosophie als Verantwortlichkeit für die Welt. Jan Sokol über die Rolle Europas, über Menschenrechte, Probleme der praktischen Philosophie und die Charta 77

Arbeitsseminar in der Europäischen Melanchthon-Akademie Bretten, 9./10. August 2011

Das Arbeitsseminar setzt sich mit Texten von Jan Sokol, einem führenden tschechischen Philosophen, auseinander, die zu einer Buchpublikation in deutscher Sprache aufbereitet werden sollen. Das Seminar dient sowohl der inhaltlichen Diskussion der Texte als auch der sprachlichen Überareitung der von Dr. Ondřej Skripnik (Karlsuniversität Prag) im Rahmen eines einsemestrigen Gastaufenthaltes am Institut für Philosophie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) besorgten Übersetzung.

Als einer der Gründer der 17. Fakultät der Karlsuniversität Prag, die ihren Schwerpunkt auf Studien von der Wissenschaft vom Menschen legt, hat Sokol sowohl als Ausrichtung seiner Fakultät als auch seiner Philosophie einen breiten thematischen Ansatz zugrundegelegt. Dieser reicht u.a. von der Geschichte der Religion über die Menschenrechte, von der Rolle Europas bis zur praktischen Philosophie und soll im Rahmen des Buchprojekts in ausgewählten Artikeln für das deutschsprachige Publikum nachgezeichnet werden. Bei genauer Betrachtung erschließt sich aber, dass und auf welche Weise diese Themen im Sokolschen Werk zusammenhängen. Ergänzt werden diese Texte mit Schriften zur von Jan Sokol mitbegründeten Bürgerbewegung Charta 77, die den Anstoß für die Samtene Revolution gegen das kommunistische Regime in Tschechien gegeben hat. Dieses politische Engagement ist zugleich der Hintergrund dafür, dass Sokol nicht von ungefähr 2003 für das Amt des tschechischen Präsidenten kandidierte und letztlich nur knapp scheiterte.

Zur Person: Jan Sokol wurde 1936 geboren. Er wurde vom sozialistischen Regime am Studieren gehindert. Daher lernte er Goldschmied und arbeitete in diesem Beruf einige Zeit. Später studierte er über den zweiten Bildungsweg Mathematik und war anschließend als Computer-Programmierer tätig. Sein ganzes Leben lang beschäftigte er sich kontinuierlich mit Fragen der Philosophie. Erst 1993 promovierte er dann in Anthropologie. 1997 habilitierte er sich und wurde im Jahre 2000 zum Professor für Philosophie ernannt. In der Zeit des Sozialismus war er in verschiedenen Bürgerbewegungen aktiv. Zudem war er einer der Erstunterzeichner der Charta 77. Nach der Wende kam er dann völlig unerwartet in die hohe Politik: Zwischen 1990 und 1992 war er Vizevorsitzender des damals noch tschechoslowakischen Parlaments und Sprecher der stärksten Fraktion. 2003 kandidierte er für das Amt des tschechischen Präsidenten.

Das Arbeitsseminar ist eine Veranstaltung des Arbeitskreis Politische Philosophie (polphil) am Institut für Philosophie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Das Seminar findet in Kooperation mit der Europäischen Melanchthon-Akademie Bretten statt.

Datum und Ort: 

Europäische Melanchthon-Akademie Bretten, Melanchthonstr. 1-3, 75015 Bretten.
9.-10. August 2011, ganztägig ab 10 Uhr.

Interessenten melden sich bitte bei Ulrich Arnswald unter Kontakt.